Chen Zhiguang – Magische Räume

06.02.2022 – 29.05.2022

Chen Zhiguang (geb. 1963 in Xiamen, China) ist einer der renommiertesten Bildhauer und Installationskünstler Chinas. Er schloss 1988 sein Studium am Fine Arts Institute der Fujian University ab und ist derzeit Mitglied des Ständigen Ausschusses der China Sculpture Association, der Central Academy of Fine Arts der City of Design School in China (Beijing) sowie Gastprofessor der Modern Art School der Tianjin Academy of Fine Arts. Seit 2006 nahm er an internationalen Ausstellungen in den USA, Frankreich, Deutschland und Schweden teil. Der Künstler lebt und arbeitet in Beijing und Fuzhou in der Provinz Fujian, die im Jahr 2022 ihr 33-jähriges Partnerschaftsjubiläum mit Rheinland-Pfalz feiert.

Äußerlich handelt seine Kunst von Ameisen und uralten Bäumen, beides wichtige Themen der traditionellen chinesischen Philosophie. Doch nach längerer Betrachtung seiner Arbeiten wird deutlich, dass Chen Zhiguang in seiner Kunst gleichsam eine Parabel für das Leben im Staat erschafft.

Seine Ameisenskulpturen lässt Chen Zhiguang ganze Räume besetzen. Scheinbar in einem nie versiegenden Fluss und in ständiger Bewegung begriffen, krabbeln sie über jedes Hindernis hinweg. Als Ameisenhaufen wirken sie auf den Betrachtenden bedrohlich, fast alptraumhaft. Der Künstler lässt seine Ameisen in verschiedenen Größen und Kontexten auftreten, mal klein in Edelstahl, mal schillernd eingefärbt, mal überdimensioniert groß auf Plätzen erscheinend und auch hier variierend zwischen hochglanzpoliertem Edelstahl oder Bronze. Seine Ameisen stehen hier symbolisch und physisch erfahrbar für die Stärke der Gemeinschaft, die nur entstehen kann, weil das Individuum an sich kaum eine Rolle spielt. Für Chen Zhiguang sind die Ameisen eine Metapher für eine Gesellschaft, in der alles zum Erhalt der Gemeinschaft geschieht, die deshalb mehr als der Einzelne zählt, der aufgrund seiner überdimensionierten Größe grotesk und unnatürlich wirkt. Gesellschaftssoziologisch bietet Chen Zhiguang Anlass, sich mit der Idee der kollektiven Gemeinschaft auseinanderzusetzen, die, ähnlich den Ameisenvölkern, auf soziale Hierarchien und präzisen Kommunikationscodes basiert.

Auch die Darstellungen von knorrigen, alten Baumstämmen, die bei Chen Zhiguang sowohl als Malerei, Aquarell und Skulptur formuliert sind, versinnbildlichen die Verbindung mit der Natur, ganz besonders mit der in der traditionellen chinesischen Kultur besonders hoch geschätzten Idee der Literatengärten. Baumstämme, Strünke und Wurzelwerk zeigen sich als Energiezentrum der Evolution.

Die Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz versteht sich als Dialog mit der Partnerprovinz Fujian und setzt eine lange Reihe bedeutender chinesischer Positionen fort, die seit 2000 im Ludwig Museum gezeigt wurden. Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und mit der Unterstützung des Kunstraum Villa Friede in Bonn.

Mehr Infos: Ausstellungs-Flyer Chen Zhiguang

 

CHEN ZHIGUANG Magischer Raum, Ameisen-Installation, ca. 700 Ameisen aus verschiedenen Metallen. Ausstellungsansicht Ludwig Museum Koblenz 2022 © Chen Zhiguang. Foto: Rebekka Welker

CHEN ZHIGUANG Magischer Raum, Ameisen-Installation, ca. 700 Ameisen aus verschiedenen Metallen. Ausstellungsansicht Ludwig Museum Koblenz 2022 © Chen Zhiguang. Foto: Rebekka Welker

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