Aktuelle Ausstellung

Marianne Aue. Unknown Zero

01.03.2026 – 24.05.2026

Marianne Aue, * 1932 in Freudenthal, heute Bruntál, † 2016 in Leverkusen, zählt zu den in Europa früh aktiven Vertreterinnen der Nachkriegsavantgarde. Sie studierte in den 1950er Jahren an der Werkkunstschule in Krefeld, wo sie ihre künstlerischen Grundlagen erwarb. Ab Anfang der 1960er entstehen Werke, die eine formale Nähe zu den im nahegelegenen Düsseldorf wirkenden ZERO-Künstlern aufweisen. Die ZERO-Bewegung, gerade erst 1957 von Heinz Mack und Otto Piene gegründet, kurze Zeit später mit Günther Uecker erweitert, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs einen „Neuanfang“ ohne künstlerische Ballast-Ideologien zu wagen, daher der Name ZERO (Null). Ziel war eine Kunst, die durch Licht, Bewegung, Raum und serielles Denken sinnliche Erfahrungen neu vermittelt und damit die traditionelle Malerei hinter sich lässt. Marianne Aue gehörte zwar nicht zum engeren Kern der ZERO-Gründer, ihre Arbeiten greifen jedoch einige der zentralen ZERO-Prämissen auf, wie serielle, rhythmische Strukturen, die Integration von Licht und Schatten und das Aufbrechen der klassischen Tafelmalerei zugunsten raumbezogener Effekte. Ihr künstlerischer Ansatz geht weit über das traditionelle Bild hinaus und verbindet konzeptionelle Strenge mit einer explorativen Materialität.

Aues Kunst ist vor allem geprägt von monochromen Strukturreliefs, die zwischen Malerei und plastischen Arbeiten angesiedelt sind. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Wechselwirkung von Licht und Schatten, ein Ansatz, den sie pointiert mit den Worten „Was ich zu meinen Arbeiten benötige, ist Schatten“ beschrieb und der verdeutlicht, wie sehr ihre Kunst den Bildraum im physischen Sinn erfahrbar macht. Aspekte der ZERO-Ästhetik werden genauso wie spätere Konzepte kinetischer und op-art-naher Arbeiten berührt, bei denen visuelle Wahrnehmung und Bewegung im Raum im Vordergrund stehen. Aues Arbeiten bewegen sich oft zwischen abstrakter Malerei und plastischem Relief: durch seriell angeordnete Linien und repetitive Materialien entsteht ein Wechselspiel von Licht, Schatten und Form, das erst im Raum sichtbar wird. Die Werke sind häufig geometrisch organisiert und zeigen eine Art Visualisierung von Bewegung mittels Wiederholung und Variation von Elementen. Oft dominieren monochrome Flächen oder reduzierte Farbkompositionen, die durch Schattenwürfe der dreidimensionalen Elemente zusätzliche Tiefe erzeugen. Einige ihrer Kompositionen erinnern an Akustikstücke oder Klangelemente, so insbesondere das Werk „Vibration“ von 1964.

Einen wichtigen Teil ihres Werks nehmen auch die teils zarten Monotypien ein, die Anfang der 1960er Jahre entstanden sind. Auch sie zeigen strukturelle Schraffuren und Wiederholungen, die das Bild in eine rhythmische Bewegung versetzen, ähnlich den Reliefarbeiten. Mit druckgrafischen Mitteln erzeugt Aue einen spannenden Wechsel zwischen Hell und Dunkel, der eine Art dynamischen Fluss evoziert.

Marianne Aue war weniger als zehn Jahre künstlerisch aktiv, bevor sie ihr Schaffen vermutlich aus familiären Gründen beendete. Dies führte dazu, dass ihr Werk lange Zeit unbeachtet blieb. In den letzten Jahren wurde ihr Nachlass wiederentdeckt, erstmals als Teil der europäischen Avantgarde neu präsentiert und jenseits herkömmlicher Kategorisierungen in den Kontext zu verschiedenen historischen Bewegungen gestellt. Die Ausstellung „Marianne Aue: Pictorial Action“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen Ende 2024 war die erste museale Einzelausstellung seit den 1960er Jahren.

Soweit es die aktuelle Forschungslage zulässt, wurde im Ludwig Museum nun eine enge Verbindung zu den Ausstellungsaktivitäten der internationalen Nouvelles Tendances aufgearbeitet und im anregenden künstlerischen Umfeld von Piero Manzoni, Yves Klein, Jean Tinguely, Jésus Rafael Soto und anderen verortet. Als einzige Frau behauptete sich Marianne Aue mit ihren Werken. Sie gilt als Pionierin in beiden Gruppierungen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Galerie Zdeněk Sklenář in Prag und den Verein der Freunde des Mittelrhein-Museums und des Ludwig Museums zu Koblenz.

 

Marianne Aue „Nr. 153“, 1964. © Nachlass Marianne Aue, Foto: Galerie Panarte, Wien

Marianne Aue „Nr. 153“, 1964. © Nachlass Marianne Aue, Foto: Galerie Panarte, Wien

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