Aktuelle Ausstellung

Markéta Othová, Michael Bielický und Kamila B. Richter – The world through lenses, in pixels and digital fluidity

01.03.2026 – 24.05.2026

Auch mit seiner zweiten Ausstellung richtet das Ludwig Museum den Blick erneut auf die Kunstszene der benachbarten Tschechischen Republik und widmet sich dabei sowohl zeitgenössischen fotografischen Positionen als auch der Frage, inwiefern Bildinformationen im Zeitalter der Digitalität zu hinterfragen sind und wie sehr sie einer ständigen Veränderbarkeit unterliegen. Mit Markéta Othová, Michael Bielický and Kamila B. Richter begegnen sich drei künstlerische Positionen, die trotz ihrer unterschiedlichen medialen Ansätze eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der Bildwirklichkeit und unserer Wahrnehmung von Zeit verfolgen. Ihre Arbeiten spiegeln eine Welt, in der Bilder nicht nur wahrgenommen werden, sondern selbst eine Wirklichkeit erzeugen, die beständig oder flüchtig sein kann.

Markéta Othová, geboren 1968 in Brno, Tschechien, gilt als bedeutende zeitgenössische Fotografin und Medienkünstlerin, die durch ihre großformatigen Schwarz-Weiß-Serien, ihre Auseinandersetzung mit Zeit und Erinnerung sowie durch ihre präzise Bildsyntax international Bedeutung erlangte. Alltägliche, unscheinbare Motive werden in Othovás Werken durch Inszenierung zu einer poetischen Erfahrung, oft mit einem Hauch von Erinnerung oder filmischer Qualität. Othová arbeitet mit Stills, die keine offensichtliche Geschichte erzählen, sondern einen Rhythmus vor dem inneren Auge des Betrachters erzeugen. Durch das Wachstum der Serie entsteht eine melancholische, fast filmische Zeitlichkeit, in die der Betrachter seine eigenen Erinnerungen und Empfindungen einbringt. Sie präsentiert hier bewusst repetitive Stoffmuster, durchaus in Verbindung zum Werk Marianne Aues gedacht, und als Reminiszenz an traditionelles Stoffdesign der Mutter- und Großmuttergeneration. Sie verbindet industrielle Fertigung mit individuell erlebter Zeit.

Ganz anders positioniert sich Kamila B. Richter, geboren 1976 in Olmütz (Olomouc), Tschechien indem sie sich künstlerisch an der Schnittstelle von digitalen Medien, klassischer Malerei und interaktiven Installationen bewegt. Sie interessiert sich besonders dafür, wie digitale Realität und Medienbilder unsere Wahrnehmung prägen und wirft einen kritischen Blick auf unsere heutige visuelle Kultur und die Art, wie Daten unser Bild der Welt formen. Ihre Arbeiten verknüpfen oft digital generierte Informationen wie Börsendaten oder Live-Feeds aus dem Netz mit interaktiven Installationen und webbasierten Projekten. Bekannt ist sie seit etwa 2011 zudem für traditionelle Ölgemälde, die auf digital verfremdeten und verwackelten Fotos veralteter Handykameras basieren und in teils wochenlangen Schichtungen entstehen. Sie nutzt genau diese digitalen Defekte als künstlerisches Material und überführt die Ästhetik der Unschärfe in die Malerei. Ein wiederkehrendes Thema ist dabei die medialisierte Realität, also wie technische Beschränkungen wie Verwacklungen und niedrige Auflösungen inzwischen selbst Teil unserer Wahrnehmung geworden sind.

Einer, der maßgeblich die Entwicklung digitaler Medienkunst seit den 1980er Jahren mitgeprägt hat, ist Michael Bielický, geboren 1954 in Prag. Seine Arbeiten spannen einen Bogen von Fotografie, über experimentelle Videoformen und interaktive Installationen bis hin zu netz- und datenbasierten Kunstprojekten. Er zählt zu den frühesten Künstlern in Europa, die elektronische, digitale und interaktive Technologien in der Kunst nutzen. Experimentelle Videoarbeiten aus den 1980er Jahren sind geprägt von den Technologien ihrer Zeit; VHS-Bearbeitung, Stop Motion und technische Verzerrung. Sie erzeugen eine starke Atmosphäre, die zwischen Realität, Spekulation und Technik oszilliert, indem sie bildliche Geister der Mediengeschichte hervorrufen. Bielický erforscht Videos nicht nur als Medium, sondern als skulpturale und räumliche Erfahrung. Er nutzt navigationsbasierte, interaktive Webtechnologien, um Bewegung und Raum künstlerisch zu thematisieren. Seit 2005 arbeitet Bielický oft gemeinsam mit Kamila B. Richter an generativen, webbasierten Installationen. In Projekten wie „Lost Objects“, „Falling Times“ oder „Columbus 2.0“, werden Live-Daten aus dem Internet, zum Beispiel aus Tweets oder Börsennachrichten in visuelle Erzählungen transformiert; ihre Darstellung ändert sich in Echtzeit und erscheint fragmentarisch, spielerisch und gleichzeitig kritisch. Der Betrachter sieht animierte, oft abstrakte Symbole, Piktogramme und Formen, die sich dynamisch bewegen und miteinander verbinden, nicht wie klassische Bilder, sondern wie fließende Datenlandschaften.

Beide Ausstellungen werden weitreichend gefördert durch die Galerie Zdeněk Sklenář in Prag.

 

Michael Bielicky & Kamila B. Richter: DATA STEEL. Colours of Ostrava. Data driven Installation, 2015, produced by Gallery Sklenar

Michael Bielicky & Kamila B. Richter: DATA STEEL. Colours of Ostrava. Data driven Installation, 2015, produced by Gallery Sklenar

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