Kommende Ausstellung
Doppelausstellung: „Marianne Aue. Eine ZERO-Künstlerin“ und „Markettá Othová, Michael Biliecky und Kamala B. Richter – The world through lenses, in pixels and digital fluidity“
01.03.2026 – 24.05.2026
Mit zwei Ausstellungen, die parallel gezeigt werden, widmet sich das Ludwig Museum erneut der Kunstszene in der benachbarten Tschechischen Republik zu. Nach den bedeutenden Ausstellungen zum Werk von Karel Malich Cosmic (2014), Milan Grygar und John Cage. Chance Operations & Intention (2017) und Prague Power Boost (2019) widmet sich die neue Präsentation dem bislang nahezu unentdeckten Werk der tschechischen Künstlerin Marianne Aue, die im unmittelbaren Umfeld der bedeutenden ZERO-Künstler Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker gewirkt hat. Nach nur zehn Jahren beendete sie aus familiären Gründen ihre künstlerische Laufbahn; im Laufe der Zeit wurde ein Großteil ihres Œuvres zerstört. Nach der Präsentation im Kunstmuseum Gelsenkirchen im Jahr 2024 handelt es sich um die zweite museale Ausstellung, die das gesamte erhaltene Werk sowie zahlreiche bislang unbekannte Zeichnungen zeigt.
Marianne Aue (1932 in Freudenthal geboren, 2016 in Leverkusen verstorben), ausgebildet an der Werkkunstschule in Krefeld, war seit Beginn der 1960er Jahre im Umfeld europäischer Avantgardebewegungen wie ZERO und den Neuen Tendenzen aktiv. Besonders markant sind ihre oftmals monochromen Strukturreliefs, in denen sie serielle Prinzipien mit musikalischen Kompositionsstrukturen verbindet, wie die bewusst einkalkulierte Wechselwirkung von Licht und Schatten. Nachdem ihr Œuvre lange Zeit aus dem Fokus geraten war, konnte ihr Nachlass vor wenigen Jahren geborgen und gesichert werden. Neben der wissenschaftlichen Erschließung dieses eigenständigen Beitrags zur europäischen Nachkriegsavantgarde wird hier insbesondere Aues Innovationskraft und Experimentierfreude sichtbar.
Die zweite Ausstellung widmet sich sowohl fotografischen Positionen sowie der Frage, inwieweit Bildinformationen im Zeitalter der Digitalität hinterfragt werden müssen und wie sehr sie einer ständigen Veränderbarkeit unterliegen. Mit Marketá Othová präsentiert das Ludwig Museum erstmals eine Künstlerin in einem Museum in Deutschland, die in der Tschechischen Republik für ihre ebenso lakonische wie sensible Sicht auf die Dinge des Alltags überaus bekannt ist. Ihre Arbeiten sind meist auf Schwarz-Weiß reduziert. Die Tradition der tschechischen Fotografie fortschreibend, verbindet Othová lyrische wie konzeptuelle Ansätze zu einer Bildsprache, die die Möglichkeiten des eigenen Mediums fragend nachspürt. Markéta Othová verglich ihre Aufnahmen einmal mit Worten, die im Zusammenspiel Sätze bilden. Für sie ist das Arrangement der Werke zentraler Bestandteil der künstlerischen Praxis.
In den Gemälden von Kamala B. Richter sowie in den digitalen Arbeiten von Michael Bielický dreht sich alles um die Frage nach der Bildrealität. Während Kamala B. Richter noch klassisch in Ölmalerei malt, nimmt sie die verpixelten, „gestörten“ Fotografien von Mobiltelefonen, Bildschirmen oder Bildschirmscreens ausschließlich als Ausgangspunkt. Erst bei längerem Hinsehen fügen sich die Motive fragmentarisch wieder zusammen. Im Fokus ihres Interesses steht die medialisierte Wirklichkeit von heute, das Maschinensehen – die Darstellung dessen, was das menschliche Auge verborgen bleibt. Für Richter wird das limitierte Phasenbild unscharfer Videos so zum eigentlichen Abbild von Realität. Diese verfremdete, medialisierte Realität als Bildinhalt und die altmeisterliche Technik der Ölmalerei, in der sie ihre Werke in wochenlanger Schichtungs-Arbeit umsetzt, machen die Spannungsverhältnisse der heutigen visuellen Kultur sichtbar und erfahrbar. Mit ihrem Partner Michael Bielický wendet sie sich zuweilen auch ganz der Digitalwelt zu.
Bielický, der seit 1969 in Deutschland lebt und Bildende Kunst an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Nam June Paik absolvierte, gründete 1991 das erste New Media Studio an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Seit 2006 hat er den Lehrstuhl für Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst am ZKM in Karlsruhe inne. Bielický ist einer der ersten Künstler, der sich im europäischen und tschechischen Umfeld mit elektronischen und digitalen Technologien beschäftigt hat. Seine Arbeiten befassen sich überwiegend mit Themen und Werkzeugen der Kommunikation, Navigation sowie mit Video- und VR-Technologien und in den letzten Jahren auch mit webbasierten Informationen im öffentlichen Raum. Seine Arbeiten entstanden oft in Zusammenarbeit mit dem ZKM in Karlsruhe und wurden auf dem Ars Electronica Festival sowie in Kunstmuseen wie dem Centre Pompidou in Paris und dem MoMA in New York präsentiert. Für das Ludwig Museum wird er eine neue Arbeit präsentieren.
Beide Ausstellungen werden weitreichend gefördert durch die Zdenek Sklenar Foundation, Prag.
Marianne Aue „Nr. 153“, 1964. © Nachlass Marianne Aue, Foto: Galerie Panarte, Wien
