Ausstellungen

Kader Attia. Architektur der Erinnerung

05.11.2017 bis 21.01.2018

Der algerisch-französische Installationskünstler und Fotograf Kader Attia (geb. 1970 in Dugny, Département Seine-St-Denis, nahe Paris) ist ein besonderer und radikaler Künstler, dessen Werke eine große ästhetische Kraft und einen hohen ethischen Anspruch haben. Der studierte Fotograf und Bildhauer erlangte mit der Rauminstallation The Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures aus dem Jahr 2012, die auf der documenta 13 gezeigt wurde, internationales Aufsehen. Hier präsentierte er zum ersten Mal ein zentrales Prinzip seiner Arbeit, die auf jahrelangen kulturellen, ethnischen, politischen und historischen Untersuchungen basiert.

Das ganze Universum ist eine endlose Ansammlung von Reparaturen (Zitat Film Kader Attia im MMK Frankfurt). Ob er die geflickten Artefakte alter Kulturen, die Verwischung von historischen und politischen Schäden der Besatzung anderer Kulturen oder die westlich-moderne Vorstellung von Reparatur als Erschaffung eines Ideals der Perfektion meint – Kader Attia gibt den fortlaufenden Prozess der Verletzung, Verwundung und Wiedergutmachung als universelles Prinzip wider.

Die öffentliche Plattform des Museums versteht Kader Attia als Zeichen der politischen Verantwortung. Vor diesem Hintergrund lässt sich argumentieren, dass ein zentraler Topos im OEuvre von Kader Attia der Kolonialismus und dessen Einfluss auf westliche und nicht westliche Kulturen darstellt. In seiner Konzeptkunst verfolgt Kader Attia eine kulturelle „Therapie“ der von Krieg, Hunger und Flucht gezeichneten Flüchtlinge: Die Therapie erfolgt, indem eine Beziehung zu ihnen aufgebaut wird, ein Dialog, sagt Kader Attia. Begriffe wie Würde, Identität sowie die Fähigkeit und die Möglichkeit, seine eigene Geschichte selber zu erzählen, verschmelzen in einem Versuch, eine neue Kulturtheorie, diesmal aus nicht-westlicher Perspektive betrachtet, aufzuwerfen. Bei seinen sowohl emotionalen als auch intellektuellen Parforceritten verbindet Attia auf einzigartige Weise Anspruch mit Wirkung, Ethik mit Ästhetik; das macht ihn zu einem der wichtigsten Künstler unserer Gegenwart.

Das Ludwig Museum präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine Reihe ausgesuchter Arbeiten. Für die Schau im Ludwig Museum werden hinzu neue Konzepte und Installationen entworfen, die bislang noch nicht zu sehen waren. Gefördert von der "Peter und Irene Ludwig Stiftung".


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